Weihnachten in Europa

Skandinavien ist die Heimat der Rentiere, mit denen dort der Weihnachtsmann über die weite, verschneite Landschaft und durch die tiefen Wälder zieht.

In Schweden und mittlerweile fast in ganz Skandinavien wird am 13. Dezember außerdem der Lucientag gefeiert, genannt nach St. Lucia,der schwedischen Lichterkönigin. Überall trifft man dann auf weiß gekleidete, mit einem Lichterkranz geschmückte Mädchen, die St. Lucia darstellen.

Wie und wann die Lucialegende in den Norden kam, ist unklar. Sie wird als christliche Märtyrerin oder Heldin dargestellt. In Syrakus auf Siziliensoll sie geboren worden sein und im Jahr 304 n. Chr. den Märtyrertod durch Enthauptung gefunden haben. Anfangs spielte Lucia nur eine kleine Statistenrollein der Vorweihnachtszeit des Nordens. Mittlerweile gibt es wohl kaum mehr eine skandinavische Stadt, in der St. Lucia nicht bekannt ist. Gekleidet in weißes Leinen mit einer roten Kordel um die Taille und elektrischen Kerzen auf dem Kopf, ziehen die kleinen Lichterköniginnen durch die Straßen. Ihnen folgen sogenannte stjärngossar, kleine Jungen mit langen weißen Hemden und einer spitzen Sternenmütze.

Wo Lucia und ihr Gefolge singend auftreten, laden sie zu Kaffee und Safrangebäc k(lussekatter) ein. Der Konkurrenzkampf ist groß, wenn es alljährlich um die Frage geht, wer in Krankenhäusern, Schulen, Büros oder Geschäften die Lucia spielen darf. In keiner anderen Gegend Europas wird Lucia auf diese Weise gefeiert. Die Dunkelheit und die Kälte des skandinavischen Frühwintersbilden den Rahmen, den Lucia benötigt, um in ihrem warmen Glanz zu erstrahlen.

Im Jul, dem skandinavischen Weihnachtsfest, sollen viele alte Bräuche aus den vorchristlichen Wintersonnwendfeiern weiterleben. So zum Beispiel der Ziegenbock des germanischen Donnergottes Thor. Er wird Julbock genannt und bringt in manchen Gegenden den Kindern bis auf den heutigen Tag ihre Geschenke. „In Norwegen ist der Weihnachtsmann ein wenig kleiner und lustiger als seine Kollegen in anderen Ländern“, berichtet Elke Andersen. „Erist nämlich mit den Nissen, den norwegischen Kobolden verwandt. Das erklärt auch seinen Namen: „Julenissen.“

Der Weihnachtsbaum ist auch in Skandinavien Teil des Festes. Bevor es Geschenke gibt, singen viele Familien Weihnachtslieder und tanzen um den geschmückten Baum. Sehr wichtig für Skandinavier ist das Weihnachtsessen. In Norwegen heißt es Julebord. Bis zu 60 verschiedene Speisen von Schweinerippchen bis zu eingelegten Heringen und vom großen Schinken bis zum „Julekaker“,einem Gebäck ähnlich dem Stollen, werden aufgetischt. Und dazu gibt es das dunkle Weihnachtsbier „Julol“.

In Dänemark treffen sich Freunde und Verwandte bereits am Vorabend des 24. Dezembers, um den kleinen Weihnachtsabend „Lillejulaften“ bei Tee und Apfelküchlein zu feiern. Am Heiligen Abend singt die Familie Weihnachtslieder und tanzt um den Tannenbaum, der hier meist mit vielen kunstvollen Papierherzen geschmückt ist. Danach dürfen die Geschenke geöffnet werden.

In Finnland kommt der Nikolaus nicht klammheimlich durch Schornsteine, wie beispielsweise in Frankreich, sondern er besucht die Kinder, die sich als Elfen verkleidet haben, persönlich. Die Finnen sind überzeugt ,dass der heutige Nachfolger des Heiligen von Myra im Berg Korvatunturiin der Nähe von Rovaniemi residiert. Allerdings hat noch niemand den geheimen Eingang finden können. Der Nikolaus heißt in Finnland Joulupukki, und die Finnen bestreiten auf alle Fälle die amerikanische Auffassung, der dort Santa Claus Genannte wohne am Nordpol - schließlich wisse jeder Mensch, dass niemand am Nordpol leben könne.

Der Joulupukki ist, anders als sein historisches Vorbild, verheiratet. Seine Gattin ist zusammen mit den Elfen das ganze Jahr über beschäftigt, all die herrlichen Geschenke für Weihnachten anzufertigen. Diese Elfen sind wohl ein Überbleibsel der altnordischen Mythologie.

Die Vorweihnachtszeit beginnt in Finnland seit den 20er Jahren, seit man den Nikolaus in der Bergbehausung vermutet, bereits im Oktober. Es werden viele kleine Feste gefeiert, die man „Pikkujoulu“ nennt. Außerdem werden Kartenverschickt, mit denen sich die Menschen „Hyvää Joulua“, „Gute Weihnachten“ wünschen.

Ein besonderer Höhepunkt der Vorweihnachtszeit ist der Lucientag, der in ganz Skandinavien am 13. Dezember gefeiert wird.
Die Weihnachtsfeierlichkeiten selbst beginnen bereits um 12 Uhr mittags mi tder feierlichen Ausrufung des Weihnachtsfriedens in Turku, der früheren finnische Hauptstadt. Diese auf mittelalterlichen Riten beruhende Tradition wird von Fernsehen und Rundfunk im ganzen Land übertragen. In früheren Zeiten wurde dieser Friede ganz besonders ernst genommen: Wer es wagte, die zwölf Weihnachtstage durch ein Verbrechen zu entweihen, musste mit besonders harter Strafe rechnen.
Am Heiligen Abend werden zunächst die Verstorbenen auf dem Friedhof besucht und die Gräber weihnachtlich geschmückt. Finnische Friedhöfe bieten bei Einbruch der Dunkelheit am 24. Dezember ein beeindruckendes Bild. In vielen Städten werden auch die im Krieg Gefallenen von Soldaten und Organisationen geehrt.

Vor dem Weihnachtsessen geht man in die Sauna. Erst dann lässt sich die Familie den Weihnachtsschinken schmecken. Er wird traditionell mit Honig und Senf bestrichen und lange in der Backröhre gegart. Dazu gibt es Steckrübenmus. Während und nach dem Essen werden die Geschenke verteilt. Auf Island sind in der Weihnachtszeit zwischen dem 12. und 24. Dezember 13 Kobolde unterwegs, um die Kinder zu beschenken. Diese „Weihnachtskerle“ ( Jólesveinar)füllen die bereitgestellten Schuhe mit Süßigkeiten. Weniger braven Kindern legen sie zur Strafe ein paar alte Kartoffeln hinein. Diese Weihnachtskerle haben Ähnlichkeit mit Knecht Ruprecht aus dem Walde. Siege hören zur alt-isländischen Sagenwelt. Denn obwohl nominell 96 Prozent der Isländer der christlichen Religion angehören, sind doch nochweit mehr als nur Reste des alten „Asatru“, der vorchristlichen Mythologie der Isländer vorhanden.

Der Weihnachtsbaum war früher auf Island eine Seltenheit, denn Nadelbäume wachsen auf der Insel nur spärlich. Jetzt werden sie übers Meer herangeschafft, aus den Wäldern und Baumschulen Norwegens und Dänemarks vor allem. Auf der Festtafel der Isländer geht es nicht allzu üppig zu. Was unter gar keinen Umständen fehlen darf, ist das kunstvoll verzierte Laubbrot(Laufabrauð).

Weihnachten in Irland kündigt sich dadurch an, daß großer Hausputz gemacht wird und überden Eingangstüren Mistelzweige aufgehängt werden. Die Mistel ist eine Schmarotzerpflanze, die auf anderen Laubbäumen wie Pappe, Birke, Weide oder Linde wächst und hoch oben in den Kronen auffällige „Nester“ bildet. Seit altersher werden ihr magische Kräfte nachgesagt. Ihre Zweige mit den weißen Beerenfrüchten, die um die Weihnachtszeit reifen, sollen böse Geister von den Häusern fernhalten und Glück bringen.

Auf der Festtafel der Iren dürfen Plumpudding und Räucherlachs, Truthahn und Krabben nicht fehlen. Die Geschenke bringt Father Christmas. Erfüllt damit am 24. Dezember die Socken, die für diesen Zweck am Kaminaufgehängt werden. Das Auspacken findet erst am 25. Dezember statt.


Auch in England spielen die Mistelzweige eine wichtige Rolle. Am Christmas Day dürfen alle Frauen und jungen Mädchen ungefragt geküsst werden, sobald sie unter den damit geschmückten Türrahmen hindurchgehen. Santa Claus bringt die Geschenke, für die wie in Irland Socken aufgehängt werden.

Eine Besonderheit des englischen Weihnachtsfestes ist der „Boxing Day“. Erwird am 26. Dezember begangen. Sein Name rührt daher, dass  an diesem Tag nochmals Geschenke verteilt werden, die wie früher das Weihnachtsgeld der Lehrlinge in bunten Boxen verpackt sind. Zum Weihnachtsessen, das dem irischen ähnelt, gibt es Eierpunsch. Die Briten feiern ziemlich ausgelassen und setzen sich dazu bunte Papphütchen auf, was dem Fest einen karnevalesken Charakter gibt. Dazu tragen auch die beliebten Knallbonbons bei, die auf der Insel „ChristmasCrackers“ genannt werden.


In den Benelux-Ländern heißt der Nikolaus offiziell Sint Nicolaas, aber sowohl Kinder als auch Erwachsene bezeichnen ihn oft wie einen alten Freund mit dem Namen Sinterklaas. Daneben gibt es an Weihnachten noch den Kerstmann, was man mit Weihnachtsmann übersetzen kann. Beide bringen Geschenke, der eine am Nikolaustag, der andere zu Weihnachten. Aber die großen Geschenke kommen vom Sinterklaas, und zwar schon am Abend des 5. Dezembers. Tags darauf finden dann mancherorts Laternenumzüge statt.

In Luxemburg hat der Sinterklaas noch einen anderen Namen. Er wird noch vertrauter mit Kleeschen bezeichnet. Um dennoch genügend Respekt zu verbreiten, bringt er eine dunkle Gestalt mit, ähnlich dem Knecht Ruprecht in anderen Regionen. Im Luxemburger Dialekt nennt er sich House kern. Den Heiligen Abend verbringt die Familie bei einem Festessen. Die Geschenke, die unter dem Tannenbaum liegen, dürfen erst nach dem Kirchgang ausgepackt werden. Man wünscht sich frohe Weihnachten, was bei den Luxemburgern „a schei Chreschtdeeg“ heißt.


Auch in Frankreich bekamen die Kinderfrüher einmal ihre Geschenke schon am 6. Dezember vom Saint Nicolas. Doch in unserer Zeit beschenkt sie Père Noel, der Weihnachtsmann, pünktlich am Heiligen Abend. Er kommt durch den Kamin und füllt seine Gaben in die sauber geputzten Schuhe. Bevor ausgepackt wird, gibt es zu essen, und zwar die französische Spezialität Gänsestopfleber.

Eine andere Spezialität, die man ansonsten vor allem noch auf dem Balkan kennt, ist die Buche de Noel. In früheren Zeiten war sie ein Holzklotz, der in der Weihnachtsnacht verbrannt wurde. Die Asche hat man auf die Feldergestreut, im Glauben dass die Ernten dann besonders üppig ausfallen würden. Heute ist dieser Weihnachtsklotz ein mit Buttercreme gefüllter Baumkuchen.

Am Vorabend des 24. Dezembers steigt mit Freunden und Verwandten „Le Reveillon“,d er traditionelle Weihnachtsschmaus der Franzosen. Er ist der absolute Höhepunkt der Festtage. Es wird üppig und ausgiebig gespeist. Nicht selten werden diese Feiern auch in bunt geschmückten Restaurants abgehalten.


In Spanien begeht man die Adventszeit sehr ruhig. Nikolaus, Weihnachtsbaum, Adventskalender und -kränze - all diese Dinge spielen keine große Rolle, auch wenn vor allem in großen Städten der Einfluss anglo-amerikanischer Weihnachtsbräuche in den letzten Jahren auf dem Vormarsch ist. Meist wird jedoch noch ganz traditionellgefeiert. Im Mittelpunkt des familiären Weihnachtsfests steht die eigene, manchmal sogar selbstgebastelte Krippe (Belvén). Die Familie versammelt sich um sie herum und singt traditionelle spanische Weihnachtslieder.

Am Heiligen Abend (Nochebuena) trifft sich die Familie zu einem großen Festessen, zu dem traditionell Truthahn aufgetragen wird. Höhepunkt ist die Misa del Gallo, die Mitternachtsmesse, die um 24 Uhr beginnt. In den ländlichen Regionen und kleinen Städte versammeln sich die Menschen anschließend auf den Marktplätzen und singen gemeinsam Weihnachtslieder. Dabei werden Feuer entzündet, und man tanzt bis in den frühen Morgen hinein auf den Plätzen.

Die Kinder erhalten an diesem Weihnachtsabend ihre Geschenke. Bis gegen Ende des vorigen Jahrhunderts war das noch anders. Die Gaben wurden von den Reyes Mages, den Heiligen Drei Königen gebracht, die in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar mit ihren Kamelen angeritten kamen. Dieser Brauch besteht auch weiterhin, aber die Hauptbescherung ist, in Angleichung an die Gepflogenheiten in den meisten anderen Ländern Westeuropas, nun am Heiligen Abend.

Zu den Weihnachtsbräuchen in Spanien gehört auch das Erscheinender Gestalt des alten Köhlers (Olentzero), der aus den Bergen ins Dorf kommt. Er wird von den Einwohnern auf den Schultern durch die Straßengetragen. Ebenfalls üblich sind Weihnachtsspiele, bei denen zum Beispielder von König Herodes angeordnete Kindermord aufgeführt wird.

In der Zeit vom 30. Dezember bis zum 1. Januar wird die Jahreswende gefeiert, die Fiesta de la Coretta. Dazu werden Kiefern gefällt und in die Ortschaften getragen, festlich geschmückt und anschließend gesegnet.

Den Abschluss der Weihnachtszeit bildet der Dreikönigstag (Díade los Reyes). Nach ihrer weiten Reise aus dem Morgenland halten die Majestäten Kaspar, Melchior und Balthasar bereits am 5. Januar Einzug in die spanischen Dörfer und Stadtteile, ein Fest, das mit einem großen Umzug und zahlreichen biblischen Aufführungen gefeiert wird. Für die Kleinen gibt es Süßigkeiten aus den Händen der Könige.

Am Abend des 5. Januars stellen die Kinder vor dem Schlafengehen ihre blank geputzten Stiefel oder Schuhe vor die Zimmertür. Außerdem werden auch Stroh und Wasser für die Kamele und die beliebten Turrones  (Weihnachtsgebäck aus Mandelteig) zur Stärkung der Weisen nach der langen Reise bereit gestellt.Der nächste Morgen bringt braven Kindern die Geschenke, böse Kinderbekommen Kohle (gefärbter Zucker). Zum Fest der Heiligen Drei Könige versammelt sich die Familie wieder zu einem großen Festessen. Als Nachtischwird „Roscón de Reyes“ gegessen, ein Germteigkranz mit kandierten Früchten, der eine kleine eingebackene Überraschung in Form eines der Könige enthält. Wer sie findet, ist der Glückspilz der Familie. 

In Portugal entsprechen die Weihnachtsbräuche in etwa den spanischen. In manchen Gegenden wird nach der Mitternachtsmette auf dem Kirchplatz ein Baum niedergebrannt, um den man zu den Klängen der Musik herumtanzt. Außerdem bringen die Besucher überall Obst oder Gemüse mit in die Kirche und legen sie als Geschenk vor die aufgebaute Weihnachtskrippe. Auch in Italien feiern die Menschen die Weihnachtszeit sehr ausgiebig. Sie beginnen damit am 6. Dezember, wenn San Nicola kommt und den Kindern Geschenke vor die Schlafzimmertür legt. Am 13. Dezember ist dann – wie in Skandinavien – Santa Lucia mit weiteren Gaben zur Stelle. Die großen Geschenke bekommen die Kinder in Italien am Morgen des 25. Dezembers. Sie liegen beim Aufwachen vor ihren Betten oder unter dem Tannenbaum. Il Bambinello Gesu, das Christkind, hat sie gebracht.

Auch in Italien feiern die Menschen die Weihnachtszeit sehr ausgiebig. Sie beginnen damit am 6. Dezember, wennSan Nicola kommt und den Kindern Geschenke vor die Schlafzimmertür legt. Am 13. Dezember ist dann – wie in Skandinavien – Santa Lucia mit weiteren Gaben zur Stelle. Die großen Geschenke bekommen die Kinder in Italien am Morgen des 25. Dezembers. Sie liegen beim Aufwachen vor ihren Betten oder unter dem Tannenbaum. Il Bambinello Gesu, das Christkind, hat sie gebracht.


Es ist Tradition in Italien, an Weihnachten eine Fischmahlzeit zum Abendessen  zu servieren. Meistens wird Aal gereicht. Weihnachten ist in ganz Italien auch ein großes Familienfest. Es gibt reichlich Lammbraten zu essen und Truthahn. Ob allerdings ein Tannenbaum oder eine Krippe („Presepio“) im Weihnachtszimmerstehen soll, ist in Italien eine Streitfrage, die jedes Jahr von neuem für Diskussionen sorgt. Am Ende machen es alle so, wie sie es eben für richtig halten, und viele haben auch beides aufgestellt.

Die Weihnachtszeit geht in Italien am 6. Januar zu Ende. Noch einmal werden an diesem Tag die Kinder beschenkt, diesmal von der Figur der alten Hexe Befana. Sie betätigt sich als Weihnachtsfrau und bringt den Kindern Spielzeug und vor allem viel Obst.


In Deutschland steht der Tannenbaum im Mittelpunkt des Weihnachtsfestes. Er heißt in katholischen Gegenden Christbaum, in anderen Regionen Weihnachtsbaum. Unter ihn werden traditionell die Geschenke gelegt. Noch immer sind die meisten Weißtannen, Nordmanntannen, Fichten oder Kiefern mit Wachskerzen geschmückt. Aber elektrische Kerzen sind stark auf dem Vormarsch.

Von Haus zu Haus gibt es unterschiedliche Gepflogenheiten, den Baum zu schmücken. Das traditionelle Lametta, Engelshaar und die von Großmutter geerbten Glaskugeln sind auf dem Rückzug. Jüngere Familien putzen ihren Baum oft schon in einem gerade üblichen Design heraus. Dabei spielen Schleifchen, farblich abgestimmte Kerzen und Schmuck in bestimmten Farben eine Rolle.

Äpfel, Wachskerzen, Strohsterne und Holzfiguren sind eine altdeutsche Art des Baumschmucks, die in der Zeit der Jugendbewegung vor und nach dem ersten Weltkrieg wieder populär wurde und auch heute noch verbreitet ist.

In der Vorweihnachtszeit werden Adventskalender aufgehängt, mit denen den Kindern die Wartezeit auf die Bescherung verkürzt werden soll (siehe Österreich). Der Adventskranz aus geflochtenem Tannengrün mit den vier Kerzen für die vier Adventssonntage hängt von der Decke oder steht auf einem geschmückten Tisch. An jedem Sonntag wird eine weitere Kerze angezündet.

In Süddeutschland spielen die Weihnachtskrippen eine besondere Rolle. Sie sind oft selbst in mühevoller Arbeit kunstvoll geschnitzt und zusammengestellt. Oft werden sie schon seit Generationen vererbt. Meist stehen sie unter oder neben dem Weihnachtsbaum.

Das traditionelle Weihnachtsessen ist Umfragen zufolge kaum zu verdrängen. Noch immer essen die meisten Deutschen am Weihnachtsabend Würstchen mit Kartoffelsalat. Am ersten Feiertag gibt es die obligatorische Weihnachtsgans, gefüllt mit Äpfeln und Pflaumen.

Weihnachten ist in Deutschland das Fest der Familie und der Kinder. Es ist der Deutschen liebstes Fest. Selbst in den umkämpften Ruinen von Stalingrad wurden am Heiligen Abend 1942 Feldpostpäckchen von zu Hause verteilt, da und dort Kerzen angezündet.

Am 6. Dezember kommt in Süddeutschland der Nikolaus, oft mit dem Knecht Ruprecht, der hier „Krampus“ genannt wird. In Franken heißt er „Pelzmärtel“, abgeleitet von St. Martin und in Norddeutschland heißt der Nikolaus meistens Weihnachtsmann. Egal wie die Gestalten auch heißen, sie legen den Kindern und Erwachsenen kleine Gaben in die bereitgestellten Schuhe und Stiefel.

Der 24. Dezember oder „Heilige Abend“ ist der Tag der großen Geschenke. In vielen Familien werden gemeinsam Weihnachtslieder gesungen und auf Instrumentenbegleitet. Danach ist im allgemeinen „Bescherung“. Dazu werden die Kerzen aufdem Weihnachtsbaum angezündet.


In Österreich beginnt die Weihnachtszeit mit dem Besuch des Nikolaus. Er kommt am 6. Dezember undv erkörpert die Gestalt eines Bischofs mit einer Bischofsmütze, einem Bischofsstab, einem Buch und einem Sack. Aus dem Buch liest er vor, was die Kinder angestellt haben, aus dem Sack zieht er die Geschenke: Äpfel, Nüsse, Lebkuchen und Spielsachen. Für die Bösen hat er den Krampus dabei, das ist eine Art „Wilder Mann“, der schon auf der Straße mit Ketten rasselt.

Während der Adventszeit wird – wie in Deutschland – ein Adventskalenderaufgehängt. Jeden Tag dürfen die Kinder ein Türchen öffnen.Bunte Bilder und Schokoladenfiguren stecken dahinter. Damit soll das lange Warten auf das Christkind verkürzt werden.

Am Abend des 24. Dezembers kommt das Christkind. Die Mutter richtet das Zimmer mit dem Christbaum her. Dann ertönt ein feines Glöckchen .Das ist das Zeichen, dass das Christkind da war und die Geschenke gebracht hat.

Voll Hochspannung geht nun die Familie ins Weihnachtszimmer. Es wird ein weniggesungen oder musiziert, in manchen Häusern auch aus der christlichen Weihnachtsgeschichte vorgelesen. Danach gibt's Punsch und Plätzchen, und es werden die Geschenke ausgepackt.

Österreich ist das Heimatland des bekanntesten Weihnachtsliedes der Welt: „Stille Nacht“. Am Weihnachtsabend des Jahres 1818, in einem der schrecklichen Hungerwinter nach den napoleonischen Wirren, ist es zum ersten Mal erklungen. Die Orgel in der St. Nikolaikirche von Oberndorf (an der Salzach) war kaputt, und so musste es der Komponist Franz Xaver Gruber in dieser Nacht auf der Gitarrebegleiten. Geschrieben hat er es jedoch für zwei Soprane, Chor, Streicher, Horn und Orgel. Der nicht minder berühmte Text stammt von dem Hilfspriester Joseph Mohr, der seinerzeit an der gleichnamigen Kirche gepredigt hat. 

In Ungarn bringt nicht der Weihnachtsmann die Geschenke. Den Kindern wird erzählt, dass Weihnachtsengel herabschweben und die Gaben unter den Tannenbaum legen. Ein landestypischer Brauch ist die Aufführung von Krippenszenen. Junge Leute ziehen verkleidet als Hirten, Maria und Josefund die Könige aus dem Morgenland von Haus zu Haus. Zum Dank werden sie mit Süßigkeiten belohnt.

In der Tschechischen Republik wird erst gegessen, dann kommen die Geschenke an die Reihe. Das Weihnachtsessen ist hier traditionell der Karpfen. Dazu wird Kartoffelsalat gereicht.

Nach einem alten Brauch stellen die Kinder am Heiligen Abend eine Schüssel mit Wasser in die Stube und lassen darin Nussschalen schwimmen. In ihnen werden winzige Kerzen entzündet. Durch behutsames Pusten versuchen nun die Kinder, ihre Schiffchen fortzubewegen. Wessen Nuss-Schale am längsten mit brennender Flamme schwimmt, soll das höchste Alter erreichen.


Das Weihnachtsfest beginnt in Polen nach altem Brauch mit Fasten. Es gibt am Heiligen Abend erst etwas zu essen, wenn die Nacht herein bricht. Erst dann wird die Festtagstafel eröffnet. Dazu sind Freunde und Verwandte eingeladen. Und es wird immer ein Gedeck mehr aufgelegt, als Gäste zu erwarten sind – denn es könnte ja überraschend noch ein weiterer Gast hinzukommen. Auf ihn will man vorbereitet sein, so dass er sich willkommen fühlen kann.

Das traditionelle Weihnachtsessen in Polen ist, wie in der Tschechei, der Karpfen. In neuerer Zeit werden aber auch andere Fischsorten aufgetischt. Nachdem Essen werden die Geschenke ausgepackt.

Während der gesamten Adventszeit bekommen die Kinder in Estland kleine Geschenke. Überbringer sind Kobolde, die heimlich und überraschend Süßigkeiten vorbei bringen, sofern die Kleinen brav waren. Das Weihnachtsfestselbst feiert man in Estland ganz so wie bei den Nachbarn in Finnland.

Heutzutage beginnt das Weihnachtsfest in Rußland am Silvesterabend und ist in Wirklichkeit ein Neujahrsfest. Dass es so gekommen ist, hängt mit der kommunistischen Revolution zusammen. Eigentlich hat die Verehrung für St. Nikolaus in Rußland und in der orthodoxen Kirche Tradition seit dem 11. Jahrhundert. Viele Kirchen sind nach ihm benannt. Der Nikolaus war vor allem früher auch sehr beliebt für die Namensgebung der Söhne.

Nach der kommunistischen Revolution wurde alles, was mit Weihnachten zu tun hatte, entchristianisiert. Nikolaus wurde durch Väterchen Frost - Djed Moroz – ersetzt. Er bringt die Geschenke. Auf einen Eiszapfen gestützt steigt er zum Jahreswechsel von seinem Pferdeschlitten und lädt die Gaben ab. Er trägt meist einen weißen, manchmal auch einen roten Mantel. Begleitet wird er von einem Jungen, der auf den Namen Neujahr hört und von einem Mädchen, die seine Helferin ist. Sie heißt Schneeflöckchen – Snegurotschka.

Immerhin 19 Prozent - vor allem Neureiche – begehen aber bereits das westliche Weihnachten. Denn auch in Kirchenfragen orientieren sich die jungen Reichen an den USA. So heißt bei ihnen Djed Moros heute neurussisch Santa Klaus.

Da die russische orthodoxe Kirche den Julianischen Kalender verwendet, fällt das eigentliche Weihnachtsfest nicht auf den 25. Dezember, sondern auf den7. Januar. Mit der kommunistischen Revolution wurde zwar der internationalgebräuchliche gregorianische Kalender eingeführt. Damals betrug die Differenz zwischen den beiden Kalendern 13 Tage. So kommt es, dass seither der 7. Januar für das Weihnachtsfest der Kirche gilt – wohlgemerkt der7. Januar nach dem gregorianischen Kalender. An diesem Tag finden prachtvolle Christmetten statt. Aber das weltliche Rußland feiert am Neujahrstag, der unter Lenin und seinen Nachfolgern zum zentralen Feiertag avancierte.

Die Festtage enden in Rußland erst am 13. Januar. Dieser Tag ist nachdem alten julianischen Kalender Neujahr und wurde in Rußland traditionell schon immer groß gefeiert. Das ist auch heute wieder so. In Rußland wird wegen der verschiedenen Zeitzonen elf Mal auf das Neue Jahr angestoßen.

In Südeuropa wird Weihnachten meistens etwas anders begangen als in den nördlichen Regionen. Zum Beispiel ziehen in Griechenland am Morgen des 24. Dezembers Kinder mit Glöckchen, Triangeln und Trommeln von Haus zu Haus und singen. Es handelt sich bei ihren Liedern um Lobgesänge, die dem Haus und den Bewohnern Glück und Segen bringen sollen. Man nenntd iese Gesänge „Kalanda“. Natürlich werden die Kinder auch reichlichbeschenkt mit Kuchen, Süßigkeiten und klingender Münze.

Zwölf Nächte zündet man dann Weihnachtsfeuer zum Schutz vor den „Kalikanzari“, den Kobolden, an. Am 1. Januar werden die Kinder reich beschenkt. Der heilige Vassilius legt in der Silvesternacht die Gaben vor ihr Bett. Als Besonderheit gibt es an diesem Tag den Vasilius-Kuchen, in den eine Goldmünzeeingebacken wird. Sie gilt als Glückssymbol. Wer sie findet, wird das ganze Jahr über ein glücklicher Mensch sein, so glaubt man. Der eigentliche Höhepunkt des Weihnachtsfestes ist Epiphania am 6. Januar. Das ist der Tag im griechisch-orthodoxen Kirchenjahr, an dem Jesus von Nazareth durch Johannes den Täufer getauft worden sein soll. Nach dem Gottesdienst geht der Priester durch die Straßen, um Häuser und Wohnungen zu segnen und die Räume mit einem in Weihwasser getauchten Basilikumzweig zu besprengen.

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